Wie trägt man jemanden, wenn man sich selbst kaum (er-)trägt?

Die letzten Tage und Wochen musste ich ganz schön strampeln, um meinen Kopf über Wasser zu halten. Zu viele (neue) Bilder, Gefühle, Schmerzen. Als würde sich gerade eine komplett neue Biografie auftun. Und ich frage mich: Was hat das alles mit mir zu tun? Und vor allem: Wenn das was mit mir zu tun hat, wieso bin ich dann überhaupt noch hier?

Und dann trifft ein Familienmitglied ein harter Schlag – und alle Verantwortung liegt wieder – so empfinde ich es – bei mir. So wie es mein ganzes Leben schon war: Ich muss da sein, die Person schützen, Schaden abwenden, Schmerz nehmen und all die Emotionen von ihr aushalten, die ich eigentlich nicht (mehr) aushalten kann. Und während ich diese Zeilen schreibe, denke ich mir: „Was bist du für ein egoistisches A********? Da hat jemand gerade ganz schöne Scheiße erlebt und du grübelst darüber nach, dass du zu schwach zum Helfen bist.“ Und genau das führt dazu, dass ich für diese Person nicht da sein kann – nicht so, wie ich will und sollte.

Das schlechte Gewissen frisst mich auf. Und gleichzeitig kann ich einfach nicht. Es ist, als hätte man mir Gewichte an die Füße gehängt und ich müsste auf offener See versuchen den Kopf über Wasser zu halten.

8 Antworten auf „Wie trägt man jemanden, wenn man sich selbst kaum (er-)trägt?

    1. Hm, ja, das frage ich mich auch. Sie sagt es nicht explizit. Andererseits – ich bin die erste, die sie kontaktiert, wenn es ihr schlecht geht. Ihre starken Emotionen zum Beispiel teilt sie in dieser Form nur mit mir. Obwohl es noch andere Personen in der Familie gäbe. Und ich bitte sie seit Jahren, Hilfe von außen zuzulassen – leider nicht wirklich erfolgreich. 😦

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      1. Wenn du das nicht mehr tragen kannst oder willst, wäre es sinnvoll, wenn du dich abgrenzen lernst. Es ist allein ihr Problem, wenn sie sich keine Hilfe von außen holt. Du bist nicht der Seelenklempner, sondern hast selbst Probleme.

        Abgrenzung ist ein so wichtiges Thema in der Therapie. Arbeitet ihr manchmal daran (irgendwie nehme ich an, du bist in Therapie?!)

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      2. Genau, ich habe im Oktober angefangen und bin gerade erst soweit, dass ich sehe, dass ich da was lernen muss. Auch im Bereich Abgrenzung. Aber gerade ist es noch alles etwas viel. Ein Teil von mir sieht es so, wie du es geschrieben hast. Aber ein anderer Teil denkt, dass ich das nicht machen kann und wenn ich es mache, alles in der Katastrophe endet. (Danke übrigens für Deine Nachrichten.)

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      3. Ja, das ist – wie so gut alles in der Therapie – ein Prozess. Man kann sich nicht sofort nach einem halben Jahr abgrenzen.
        Ein gutes Übungsfeld, so finde ich, ist das Internet. Dass man sich durch das, was andere schreiben, nicht runterziehen lässt zum Beispiel. Sowas muss man meist auch erst lernen, musste ich zumindest. Ich nahm mir immer viel zu Herzen. Vielleicht kannst du in dem Bereich ja auch etwas üben, wenn du merkst, dass dich das, was andere schreiben, vielleicht beschäftigt oder übermäßig beschäftigt.
        Ansonsten dauert es in der Therapie seine Zeit. Aber ich kann nur empfehlen dieses Thema immer wieder anzusprechen, weil das ist wichtig, wenn es um Achtsamkeit und Selbstachtung geht.
        Ich kenn dein Familienmitglied nicht, aber solang du die Stange hältst, wird dieses Familienmitglied sich nicht genötigt fühle außerhalb nach Hilfe zu suchen. Und so bleibt es ein Kreislauf.

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      4. Ja, genau das hat mein Therapeut auch gesagt. Also, dass sie bisher nie Hilfe von außerhalb suchen musste. Ich glaube, das muss ich noch öfter hören, lesen und denken, bis es ankommt. Die Idee mit dem Internet als Übungsfeld klingt gut. Ich muss tatsächlich hier sehr dosiert unterwegs sein gerade. Wie hast du das genau geübt? Hast du ‚einfach‘ aufgehört zu lesen, wenn du gemerkt hast, es wird zu viel?

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      5. Ja, das muss man immer wieder hören und üben bis man das internalisiert.

        Ja, zum Beispiel lese ich nicht weiter, wenn ich merke, etwas geht sehr an mich ran.

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