„Ich gucke Ihnen schon nichts weg“

Was für ein ätzender Tag. Nach einer gefühlt endlosen Nacht, in der mein Kopfkino wieder alles gegeben hat, stand heute ein Termin bei der Hautärztin an. Ich habe ihn schon zwei Mal verschoben, ein drittes Mal hätte ich mich nicht getraut. Zumal die Verletzung an der Hand, weswegen ich eigentlich dorthin wollte, nicht besser wurde.

Die Ärztin kannte ich bisher nicht. Es ist auch Jahre her, dass ich mal bei einer Hautärztin war. Na ja, ich saß also dann irgendwann im Behandlungszimmer und habe dort noch bestimmt eine halbe Stunde gewartet. Irgendwie finde ich das total stressig, so lange im Behandlungszimmer auf Ärzte zu warten, besonders wenn ich sie noch nicht kenne. Die Stille und die Tatsache, dass jede Sekunde jemand reinkommen kann, löst in mir schon leichte Panik aus. (Ist das lächerlich?) Irgendwann kam sie dann. Sie war älter, ich schätze so Ende 50, ihr Gesicht wirkte streng. Vielleicht aber auch nur, weil sie mich an meine Oma erinnert?

Sie betrachtete die Verletzung an meiner Hand und fragte, wie das passiert ist. „Am Ofen verbrannt“, war meine kurze Erklärung. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir nicht glaubt – aber diese Angst begleitet mich ja eh ständig. Viel Zeit, darüber nachzudenken, hatte ich nicht, da sie, nachdem sie meine Hand begutachtet hat, gleich überging zum Thema „Hautkrebsscreening“. Das würde meine Krankenkasse ja übernehmen, dann könnten wir das jetzt ja machen.

Meine innere Antwort darauf: „Äh, nein! Ich muss mich gefühlt Jahre auf Termine vorbereiten, in denen ich mich ausziehen muss. Und aktuell ist das sowieso unmöglich aufgrund diverser Verletzungen. Und bei ihrer „sanftmütigen“ Art, wäre ich heute vermutlich gar nicht mehr klargekommen. Und überhaupt: Panik!

Die Antwort, die mir über die Lippen kam: „Lieber heute nicht. Ich würde hierfür einen Extratermin ausmachen. Ich habe auch nicht so viel Zeit.“ Ich finde, für meine Verhältnisse war das sogar schon sehr klar. Was auch der Angst geschuldet war, mich gleich ausziehen zu müssen. Die Ärztin hat das anscheinend persönlich genommen. Jedenfalls hat sie mich daraufhin angeschnauzt, dass sie mir schon nichts wegguckt. Und dass ich so viel Zeit ja noch haben müsste für meine Gesundheit.

Und zack – alles um mich herum flimmert, die Konturen verschwimmen, ich drifte ab und denke: nein, bitte nicht hier bei ihr. So genau weiß ich nicht mehr, was ich dann gesagt habe. Sie hat noch eine Weile versucht, mich zu überzeugen. Letztlich musste ich mich nicht ausziehen und sie ist aus dem Zimmer gegangen, ohne ein weiteres Wort zu sagen, glaube ich. Ich habe es ihr gleichgetan und bin aus der Praxis – ohne Rezept. Tja, dann steht wohl bald ein neuer Termin an. :-/

Und wieder einmal eine neue Geschichte auf meiner Horror-Arzt-Erlebnisse-Liste. Vielleicht mache ich heirzu mal eine Reihe…

6 Antworten auf „„Ich gucke Ihnen schon nichts weg“

    1. Genau so eine Frauenärztin hatte ich auch mal im Krankenhaus! Sie sagte damals, dass ich Schuld bin, dass die Untersuchung so weh tut, weil ich mich nicht enstpanne. Als ich dann nicht mehr reagiert hab, hat sie mich wohl angeschrien. Eine Freundin, die vor der Tür saß, hat das mitbekommen. o_O Wieso werden solche Menschen Ärztin/Arzt? Ich finde es traurig, dass es so viele ähnliche Geschichten gibt. Tut mir leid, dass du auch so eine Erfahrung gemacht hast. :/

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    1. Daran habe ich noch gar nicht gedacht. Wie reagieren die Ärzte in diesem Fall? Ist das für die normal, dass jemand mitkommt, oder musst du das jedes Mal erklären? (und wenn ja, was sagst du dann?)

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      1. Bis jetzt haben die Ärzte meine Begleitung akzeptiert (bis auf die Gutachter der Rentenversicherung🤬) und manche waren nach kurzer Info durch meine Begleitung sogar sehr verständnisvoll. Das Reden überlasse ich meistens meiner Begleitung, da ich vor lauter Anspannung sowieso keinen Ton rausbringe. Falls ein Arzt für meine Probleme kein Verständnis zeigt, ist dies für mich inzwischen ein Grund für einen Arztwechsel und meine Begleitung würde sofort die Behandlung unterbrechen, falls ein Arzt meine Grenzen überschreitet. Das ist unser gutes Recht und ich fühle mich sicherer wenn ich weiß, dass jemand da ist, der meine Grenze verteidigt, wenn ich dazu nicht (mehr) in der Lage bin.
        Ich wünsche dir, dass du auch jemanden hast/ findest den du bei diesen Terminen vertrauen kannst und der deine Grenzen jederzeit für dich setzen und verteidigen kann.

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      2. Das ist wirklich schön, dass Du diese Unterstützung hast und sicher eine große Erleichterung. Diese Momente, wo gar nichts mehr geht, kenne ich und ich habe das Gefühl, dass manche Ärztinnen/Ärzte dann meinen, ich wolle sie ärgern. Also – ich werde die Option einer Begleitung mal im Hinterkopf behalten und vorerst nach Möglichkeit Arztpraxen meiden. 🙂

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