Käfig

Irgendwie ist das Bild des Käfigs vielleicht plump. Aber mir fällt gerade kein Begriff ein, der es passender beschreibt. Und die Dinge, die mir einfallen, sind schon wieder selbst so triggernd, dass ich es mal dabei belasse und nicht weitergrabe. 🙂

Ich zwinge mich jetzt mal ein wenig schriftlich festzuhalten, was bei mir so los ist. Der letzte Eintrag ist ja auch eine ganze Weile her. Aber die Therapie haut auch einfach gerade ziemlich rein. Ich bin immer noch nicht wirklich über den Anfang und das Ende des Ereignisses hinaus, das wir gerade angehen. Und doch reicht es, um die Schleusen zu öffnen, für all den Mist, den ich eigentlich und offensichtlich ganz gut vergraben habe.

Was gut ist: Mein sicherer Ort hilft mir immer zuverlässiger und mittlerweile auch in Momenten, wo ich eigentlich schon drauf und dran bin, wegzudissoziieren.

Was nicht gut ist: Mit den geöffneten Schleusen kommen nicht nur zahlreiche Bilder, Geräusche, Gerüche, Geschmäcker auf mich eingeströmt. Mein Körper verfällt dazu auch in Automatismen, die im Alltag gerade mehr als hinderlich sind. Die Schmerzen sind geschenkt. Die waren schon immer da. Sind jetzt vielleicht stärker und wechseln sich schneller ab, aber okay. Irgendwie haben wir uns miteinander arrangiert.

Womit ich mit schwer arrangieren kann, ist, dass mein Körper und Teile in mir meinen, gerade in akuter Gefahr zu schweben. Alles oder zumindest vieles in mir schreit, dass ich all das, was ich in der Therapie sage, nicht sagen darf, nie hätte sagen dürfen und dass ich damit jetzt etwas Schreckliches lostrete.

In der Praxis bedeutet das, dass ich heute erstmalig seit über einer Woche alleine vor der Tür war. 20 Minuten. Dann war Schluss – und selbst das war eigentlich zu viel. Von den Nächten fange ich mal lieber gar nicht an. Ich weiß, dass ich mich gerade zwingen muss, die banalsten Dinge zu tun, um nicht ganz unterzugehen. Um mich nicht ganz wegzusperren. Und das ist verdammt kräftezehrend, frustrierend und führt zu vielen weiteren Problemen, wie etwa meiner Arbeitsunfähigkeit und der Unfähigkeit einen Arzt aufzusuchen. Aber vielleicht ist das ja was für einen neuen Eintrag. 😉

6 Antworten auf „Käfig

  1. Deinen Text habe ich „geliket“ um Dir zu sagen, dass mir bewusst ist, dass Du letztlich allein die Therapie bewältigen und verarbeiten musst, aber dennoch nie allein bist.

    Es gibt Menschen die buchstöäblich mitfühlen können, auch, wenn sich jede Therapie von einer anderen unterscheidet. – Aber, dass durch Therapien etwas losgetreten wird, dass damit Selbstzweifel einhergehen und schwierige Eigenbefragungen ob des Gerechtfertigtseins der vielen Offenbarungen, das können Menschen nach- und mitfühlen, die selbst einmal oder mehmals längerdauernd in Therapien gewesen sind.

    Vor diesem Fenster sitzt so ein Mensch, liebe Hanni, und hat gerade Deinen Eintrag gelesen, und viele Gedanken und Erinnerungen sind dadurch in ihm ausgelöst worden. – Aber mach Dir keine Sorgen, das ist nicht schlimm. Vielmehr bich ich gerade ganz froh, Dirt versichern zu können, dass deshalb ein gut Teil VERSTEHEN für Dich, Deine Situation, Deine Fragen, Sorgen und Ängste in mir ist.

    Viel wird es womöglich nicht helfen, aber vielleicht kannst Du Dich das eine oder andere Mal daran erinnern, dass das so ist, und vielliecht, fühlst Du Dich dann nicht ganz so verunsichert und hilflos, vor allem, wenn wieder Ängste in Dir hochsteigen wollen.

    Ich bin hier, ich lese Dich, ich begleite Dich mit meinen Gedanken und ich habe offene Ohren und Augen, auf welchem Weg auch immer Du das möchtest. Das ich das habe, verpflichtet Dich zu nichts. Ich wünsche mir nur sehr, dass es Dir bald und dann Schritt für Schritt besser geht.

    Viele, herzliche und liebe Grüße an Dich! Ich wünsche Dir eine gute, angstfreie Nacht!

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    1. Vielen lieben Dank für deine Nachricht und bitte entschuldige meine späte Reaktion. Ich hangle mich aktuell von Tag zu Tag und hab nicht so recht die Energie gefunden, selbst zu schreiben.

      Du hast das so schön beschrieben mit dem Mitgefühl und es tut nicht nur gut zu lesen, es kommt auch wirklich an und hilft. Denn neben diesem ganzen Wust an Erinnerungen, Gefühlen und unkontrollierbarem Verhalten ist es irgendwie auch diese gefühlte (?) Isolation, die es so schwer macht. Also irgendwie das Gefühl, mit all dem allein zu sein. Deshalb lese ich mir Deine und auch andere Nachrichten gerne immer wieder durch, um mich daran zu erinnern, dass dies nicht der Fall ist. Dass es so viele, tolle, mitfühlende Menschen gibt. Und Du schaffst es dann auch noch, Worte zu finden, die, auch wenn ich gerade irgendwie in einer Blase lebe, durchdringen und ankommen. Danke dafür! Wirklich. Und auch für Deine lieben Wünsche. Diese schicke ich auch gleich an Dich zurück. (Entschuldige, wenn sich meine Nachricht wirr oder kurz angebunden liest. Irgendwie bin ich gerade noch nicht so recht auf der Höhe. Aber ich wollte Dir unbedingt einmal antworten. :-))

      Hab einen schönen Sonntag! Viele liebe Grüße an Dich!

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