97 Tage

97 Tage dachte ich nach meinem letzten „Erlebnis“ ich sei schwanger. 97 Tage habe ich auf meine Monatsblutung gewartet. Nicht ganz 97 Tage habe ich geplant, wie ich mich am besten aus diesem Leben verabschieden kann.

Die Vorstellung, von all dem – von ihm – immer noch „etwas“ in mir zu haben, hat mich schier wahnsinnig gemacht. Wäre mein Körper nicht so beschädigt und wäre ich innerlich nicht so gelähmt gewesen, ich hätte sicher nicht all diese Tage einfach ausgeharrt. Zu kaputt für den Zerstörungsmodus. Schade.

Das gilt auch für die Blutung nach diesen 97 Tagen. Ich dachte tatsächlich, ich verblute. Einfach so. Und es wäre gut gewesen. Als hätte mein Körper einen Eid geschworen, nie das zu machen, was ich mir wünsche – bin ich aber, wie man merkt, nicht verblutet.

Jetzt gerade – heute – ist das alles verdammt präsent. Ich ziehe nachts immer und immer wieder das Bett ab, gehe duschen, wasche meine Wäsche wie verrückt – ich will das Blut loswerden, das nicht mehr da ist. Oder, was noch schlimmer ist, ich spüre etwas in mir. Denke, da bewegt sich etwas. Und überlege verzweifelt, wie ich das alles jetzt schnell beenden kann. Das alles bekomme ich nur am Rande mit. Das meiste berichtet mir mein Freund. Er „darf“ mich nachts immer wieder davon überzeugen, dass ich weder verblute noch schwanger bin. Wenn ich diesen ganzen Mist doch wenigstens für mich behalten könnte.

Und dann, wenn ich tagsüber anwesend bin, denke ich darüber nach. War ich schwanger? War es Stress? Aber wieso dann diese absurd starke Blutung? Oder habe ich mir das eingebildet? Kann man schwanger sein und gleichzeitig so sehr abnehmen, dass man schon an der Grenze zum kritischen Untergewicht kratzt? Will ich das überhaupt wirklich wissen?

Irgendwie mag ich nicht mehr. Das macht alles so müde.

12 Antworten auf „97 Tage

  1. Flasbacks sind einfach furchtbar!!!

    Der Verstand weiß, das es vorbei ist, doch in diesen Momenten ist wieder alles so präsent: die gleichen Bilder, die gleichen Gefühle, das gleiche Erlebnis nochmal mit allem was dazu gehört….

    fühl dich aus der Ferne gedrückt (falls du das magst) und ich schick dir ein virtuelles Kraftpaket und wünsche dir, dass du für dich dafür bald den passenden Stoppknopf findest.

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  2. Was hast Du nur durchmachen müssen, liebe Hanni? Und wie sehr wirkt das fort in Dir? – Das tut so weh beim Lesen für jemandem, dem Gewalt, dem Macht, dem Überlegen sein, dem sein Ego mit Blick vor allem auf andere Menschen nur sehr wenig bedeutet, nichts bedeuten, der sie aus tiefstem Herzen ablehnt. –

    Mach Dir aber keine Gedanken um meinen Schmerz – Du bist daran nicht etwa Schuld – es sind diejenigen, die an Dir schuldig geworden sind. Mein Schmerz ist Quelle dafür, mich in Deine Situation einfühlen zu wollen, Dir so gut es eben geht, Begleitung und Beistand zu sein.

    Du hast Dir nichts vorzuwerfen dafür was und wie Du es empfindest, auch im Nachinein. Und dass Dir selbst dabei manches irrational vorkommt. Zweifle insoweit bitte nicht, nie, an Dir.

    Versuche es, bitte, denn das andere, das macht wirklich so sehr müde. –

    Ich wünsche mir für Dich, dass Du lebst, dass Du lebenswert lebst. Dass Du, und wenn es mit allerkleinsten Schritten beginnt, immer näher dorthin gelangst.

    Dafür lese und bleibe ich hier!

    Liebe Grüße an Dich!

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    1. Vielen lieben Dank für Deine liebe Nachricht und das „Dasein“. Heute bin ich mal wieder etwas „leer“, daher ringe ich um die passenden Worte. Ich hoffe, dass meine Texte Dich (und andere) nicht runterziehen oder irgendwie die Stimmung trüben. Das wäre nicht meine Absicht. Vielleicht drücke ich auch Vieles einfach zu drastisch aus und vielleicht bin ich auch einfach zu empfindlich. Oder wie ein Chef mal sagte: „zu sensibel“. Also vielleicht liegt doch ein großer Teil des Problems in mir. Und insofern will ich nicht, dass sich auch nur irgendwer eine Sekunde wegen mir oder meiner Texte schlecht fühlt. Dafür ist auch Deine Energie zu kostbar. Deine Worte werde ich aber als Motivation nutzen und versuchen, auch die guten (wenn auch kleinen) Schritte zu thematisieren. Noch einmal vielen Dank – es tut immer sehr gut, Deine Nachrichten und auch deine eigenen Texte zu lesen.
      Viele liebe Grüße an Dich und hab einen schönen Abend!

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      1. „Zu sensibel“ – ach ja?! – Ich kenne da viel von – ich bin selbst hochsensibel. Es ist schwer mit dieser Eigenschaft zu leben, vor allem in heutigen Zeiten, aber sehr sensibel zu sein ist kein Makel. Ganz und gar nicht, liebe Hanni.

        Denek bitte nicht, dass ich mich wegen Deiner Texte schlecht fühle – ich lese hier ja mit, weil ich mich dafür entschieden habe. Und bei den texten, die mich dann doch sehr betroffen machen, mir auch weh tun, liegt es nicht an Dir, dass das so ist. Es liegt an eben jenen Gründen, die Dich selbst so sehr sensibel empfinden lassen. Und das kann ich eben sehr gut nach- oder mitfühlen. Was wieder sehr viel mit meiner eigenen Sensibilität zu tun hat.

        Mach Dir also insoweit keine Gedanken und gib‘ Dir vor allem insweit nicht auch noch „Schuld“. Du bist nicht schuldig.

        Du bist ein sehr fühlender Mensch, der so sehr kämpfen muss und das auch tut, um wieder ein wenig mehr leben zu können. Und Du bist bei all dem gegenüber Deinen Lesern und Begleitern hier sehr einfühlsam und rücksichtsvoll. – Es ist Dein Blog, Du MUSST das schreiben, aufschreibe, was Du schreiben willst, möchtest und musst.

        Ich verspreche Dir, auf mich aufzupassen, und wenn es deshalb mal vorkommt, dass ich mal nicht oder nicht so ausführlich kommentieren kann, dann wird das grundsätzlich damit zu tun haben. Ich begleite Dich dennoch …

        Liebe Grüße an Dich!

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  3. Liebe Hanni,

    ich kenne diese Müdigkeit und man sehnt sich so sehr nach Schlaf. Nein, eigentlich nach Ruhe.

    Ich schäme mich, weil Du Dir letztens extra die Zeit genommen hast, meinen Beitrag zu kommentieren und ich es noch immer nicht geschafft habe darauf zu reagieren. Glaub mir, im Koof habe ich es schon längst, aber der Körper kommt grad wieder nicht hinterher.

    Deine Flashbacks, Deine vielen Fragen – sie müssen ermüdend sein und ich wünschte, ich könnte was „Kluges“ sagen. Aber für „klug“ bin ich nicht bekannt sag ich mir immer selbst, wenn ich wieder irgendwas unsinniges gedaddelt habe. Z.B. Kaffee kochen und den Kaffee vergessen. Dann denk ich „klug ist anders“, grinse dann und sage laut: „Aber für klug bin ich ja auch nicht bekannt.“ 😉

    Aber – ich bin dafür bekannt, dass, auch wenn meine Antworten manchmal länger dauern, ich trotzdem an manche Menschen denke. Aus irgendwelchen Gründen gehörst Du schon „lange“ dazu. Und auch wenn mir Deine Beiträge oft so weh tun und ich Dir so gerne etwas abehmen würde, so „freue“ ich mich doch über jedes Lesenszeichen von Dir. Weil Du kämpfst. Und weil Du müde sein darfst. Aber Du bist so stark, denn Du schreibst hier, öffnest Dich, stellst Dich den Monstern. Du wirst sie irgendwann auch müde machen. Irgendwann werden auch sie schlafen wollen. Und dann kommt Deine Zeit. Ich wünsche es Dir so sehr.

    Pass gut auf Dich auf.
    Missy

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    1. Bitte nicht schämen! Ich kenn das selbst ja gut genu, dass man gerne irgendwie kommunizieren möchte, es aber nicht geht. Und eine Anspruchshaltung habe ich da sowieso nicht. 🙂

      Und ich finde übrigens, dass du da was sehr Kluges gesagt hast. Das ist ein schönes Bild, dass ich die Monster irgendwie selbst auch müde mache. Vielleicht auch durch das Schreiben hier (das ich aktuell ein wenig in Frage stelle). Ich glaube, das Bild werde ich behalten und das in Gedanken ausschmücken. Vielen Dank dafür!! Und auch für Deine Wünsche. 🙂

      Dir wünsche ich jetzt erst einmal einen schönen, entspannten Tag mit Deiner tollen Hündin. 🙂 Viele liebe Grüße!

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      1. Und genau weil Du es kennst, weißt Du auch, dass man sich trotzdem schämt. Man selbst erwartet von anderen nicht annähernd das, was man sich selbst als Messlatte setzt. Aber trotzdem tun Deine Worte gut. Vielen Dank dafür.

        Und ich musste schmunzeln, dass Du an der Vorstellung, irgendwann einnickende oder gar schlafende Monster haben wirst, Freude fandest. Wenn ich zeichnen könnte, würde ich es aufmalen, aber ich glaube die Fantasie reicht auch, um es sich vorzustellen und vielleicht auch drüber zu schmunzeln.

        Ich weiß nicht, warum Du das Schreiben gerade in Frage stellst, denn eigentlich sagtest Du ja mal, dass es Dir gut tut. Trotzdem musst Du auf DICH hören. Wenn es Dir nicht mehr gut tut, dann lass es oder pausiere. Ich hoffe einfach nur, dass keine negative Erfahrung dahinter steckt.

        Pass auf Dich auf.
        Missy

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      2. Das Schönste wären natürlich Monster mit gepackten Taschen, die einfach so von dannen ziehen. Mal sehen, ob ich sie so müde bekomme. 🙂

        Was das Schreiben betrifft, so geht es gerade in meinem Kopf hin und her. Einerseits hilft es wirklich, weil ich einfach riesige Probleme mit dem Sprechen habe und all diese Themen noch nie irgendwo angesprochen habe. Auch, weil in mir alles schreit und sagt, dass etwas ganz Schlimmes passiert, wenn ich es ausspreche. Das anonyme aufschreiben hier, ist vielleicht auch ein erster Schritt, um zu testen, ob etwas Schlimmes passiert.

        Das bedeutet aber auch, dass ich mit jedem „heiklen“ Eintrag denke, dass es ein schlimmer Fehler war, das auszusprechen. Dass ich etwas oder jemanden verrate und das üble Konsequenzen haben wird.
        Und dann kommen noch viele fiese Gedanken dazu, a la: Du willst nur Aufmerksamkeit, du solltest nicht so viel Mitgefühl bekommen, wenn sie dich kennen würden, würden sie verstehen…
        Das ist irgendwie anstrengend. Andererseits wird auch das nur noch viel massiver bei der Therapie freigesetzt. Also vielleicht bleibe ich bei der Übungsfläche „Blog“ und setze mich dem weiter aus. Mal sehen, wie weit ich komme. 🙂

        Ich hoffe, das war jetzt nicht zu chaotisch. Ich fühl mich mal wieder etwas wirr im Kopf.
        Hab eine schöne und ruhige Nacht! Viele liebe Grüße an Dich!

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