Abgetaucht

Auch wenn Urlaub bei mir nicht wirklich Erholung bedeutet, waren die letzten Wochen trotzdem ganz gut. Irgendwie hat der räumliche Abstand geholfen, etwas Ruhe im Kopf zu bekommen. Hilfreich war sicher auch, dass ich größtenteils eine Sprache gehört habe, die ich kenne und verstehe, die für mich aber irgendwie nicht belastet scheint. Im Deutschen ist es im Moment für mich ein Eiertanz – da können schon alltägliche Wörter stressen. Irgendwie verrückt, wie der Kopf manchmal so funktioniert.

Was mir aber vielleicht sogar am meisten geholfen dabei hat, dem Chaos ein wenig zu entfliehen, war das Wasser. Ich war oft am Meer – immer ganz früh, bevor die Strände von Menschen geflutet wurden. Dazu hat mein Cousin,bei dem ich die Zeit über war, einen wunderschönen Schwimmteich angelegt. Sein Garten war schon vorher ein Paradies, in dem alles ohne Weiteres zu wachsen scheint: bunte Blumen, Aprikosen- Kirsch und Feigenbäume, Basilikum, Tomaten, Zucchinis und ohne Ende Kräuter – ich wünschte, ich hätte auch so einen grünen Daumen. Und jetzt hat er sich den Traum von einem Schwimmteich erfüllt.

Und es ist einfach wunderbar geworden. Einmal abgesehen davon, wie schön dieser Ort für jeden Menschen sein muss (ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur eine Person gibt, die keine Freude an seinem Garten hätte) – für mich bedeutete das nochmal ein Stück mehr Freiheit. Denn so konnte ich jeden Tag schwimmen – alleine, in Ruhe, ohne unfreiwilligen Menschenkontakt, ohne Anmachsprüche von fremden Typen, ohne nervige Blicke und ohne mir Gedanken machen zu müssen, ob ich mich gerade richtig verhalte, mich nicht zu einladend bewege und nicht zu viel zeige.

Ich habe versucht, diese Momente im Wasser ganz bewusst zu erleben. Mich auf das Gefühl des kalten Wassers an meiner Haut zu konzentrieren, die Schwerelosigkeit, den klaren Geruch, der sich mit dem der erhitzten Steine und der Pflanzen vermischt, diese beruhigend-monotone Geräuschkulisse aus Grillenzirpen und raschelnden Blättern. Ich weiß, dass ich (noch?) nicht so gut darin bin – meine Gedanken auf etwas Gutes zu richten, mich im Hier und Jetzt zu finden und zu bleiben – aber an diesen Tagen ist es mir hin und wieder gelungen.

Das bedeutet nicht, dass in meinem Kopf Funkstille war – meine Energie war auch trotzdem auf einem Level, das vielleicht eher einer Hundertjährigen entspricht, aber irgendwie war es doch anders dort. Jetzt bin ich seit ein paar Tagen wieder im Alltag angekommen, hatte bereits zwei Therapiesitzungen und kämpfe aktuell wieder arg mit den Filmen und Empfindungen. Ich habe trotzdem das Gefühl, dass mir die frisch gesammelten Bilder aus dem „Paradies“ helfen, mich zumindest zeitweise auf diese Erinnerung zu konzentrieren und den Ungewünschten etwas entgegenzustellen.  

2 Antworten auf „Abgetaucht

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